Wir trauern um Günter Jankowiak
Günter hat Theater Strahl als künstlerischer Wegbegleiter über drei Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Seine Stimme wird fehlen. Nicht nur bei uns, sondern überhaupt im Theater für junges Publikum. Er hat es als Autor und Regisseur wie nur wenige verstanden, zum Kern eines Themas vorzudringen. Sich nie mit der Oberfläche zufrieden zu geben. Ihn interessierte immer das Warum. Was ist los bei den Jugendlichen?
Ob es um Gewalt und Ausgrenzung ging, wie in seiner ersten Strahl-Mitarbeit „Black Out“ (1994) oder später im Stück „Gleich knallt’s“ (1998), um Drogenkonsum wie in „Wilder Panther, Keks!“ (1996) oder um die Grenzen des Freiheitsdrangs in „Unkaputtbar“ (1995) – er wollte ganz genau verstehen, was die Ursache dieser Phänomene ist, welche gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen da wirken. Dafür ging er tief ins Gespräch mit den Jugendlichen. Hat ihnen zugehört ohne zu urteilen. War ganz nah dran an ihrer Lebenswelt.
Dieses Vordringen zum Kern hat Günter auch von den Spieler*innen seiner Inszenierungen verlangt. Da war er so unnachgiebig wie unterstützend. Er wollte sehen, wo ihre emotionalen Verbindungen zum jeweiligen Thema sind. Wo sich das Erleben der Jugendlichen mit dem der Erwachsenen trifft. Dadurch wurden seine Arbeiten authentisch, universell, andockfähig über Altersgrenzen hinaus. Das galt für seine selbstentwickelten Stücke wie für seine Klassiker-Adaptionen „Romeo X Julia“ (2001), „Frühlingsstürme“ (2009) oder „Nathan“ (2012).
Er hat selbst nie vergessen, was es bedeutet, jung zu sein. Welche Rolle Verletzungen, aber auch Erfolgserlebnisse dabei spielen. Wie wichtig es ist, Jugendlichen den Halt zu geben, aus dem heraus sie ihre eigene Haltung entwickeln können. Als Theatermacher war er immer auch Anwalt der jungen Generation. Einer, der Brücken bauen wollte. Zwischen Ost und West, Jung und Alt, zwischen verschiedenen Herkünften und Religionen. Auch deswegen wird seine Stimme fehlen.
Günter ist am 14.11.2025 im Alter von 74 Jahren verstorben.
