Mobbing

Hänseln, Nachäffen, Drohen, Herabsetzen, Bloßstellen, Schikanieren oder Gerü̈chte verbreiten, Ruf schädigen, Ausgrenzen .... Wer bestimmt bei Mobbing, was Spaß macht, wo der Spaß beginnt und wo er aufhört?

„Spaß ist augenblicksorientiert und im Kern selbstsüchtig. Außerdem bedarf der Spaß der steten Reizerneuerung, sonst kehrt permanent Langeweile ein. Spaß ist das Vertreiben von Zeit. So jedenfalls erschließt sich auch sprachgeschichtlich das Wort Spaß. Aus dem italienischen „spasso” (lat. ex-passare = zerstreuen; expandere = ausbreiten) kommend, heißt es nichts anderes als „Vergnügen und Zeitvertreib”. (Zitat aus: „PISA und die Spaßgesellschaft. Ein Plädoyer für Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit.”, Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), in: Forschung & Lehre, 2002, H.2)

Mobbing, als eine Form der Gewalt, gehört ebenfalls für manche Schüler_innen zum Zeitvertreib. In und vor den Schulen gehören Mobbingsituationen mittlerweile zum Schulalltag. Fast jeder 3. Schüler ist Opfer, laut diverser Statistiken. Es gibt bundesweit kaum noch Klassen, die solche Situationen nicht kennen. Die Folgen wirken sich auf die gesamte Persönlichkeit der Betroffenen aus und das häufig ein Leben lang. Der Verlust der Würde, des Selbstvertrauens, der Gesundheit, Leistungsfähigkeit häufig mit dem Resultat der Schulverweigerung sind der Preis, den von Mobbing betroffene Schüler_innen zahlen. Manch eine/r wird später dann selbst zum Täter.

Die Täter, Mitläufer und Möglichmacher sind oft die Entscheider im Mobbingspiel, sie geben vor wer angepöbelt, belästigt, bedroht, geschlagen oder fertiggemacht wird. Solange, bis jemand den Kreislauf unterbricht und aktiv wird, Mut und Zivilcourage zeigt, dem Mobbingopfer beiseite steht und hilft.

Was bedeutet das für die verantwortlichen Erwachsenen, die Lehrer_innen? BEOBACHTEN, HINSEHEN, ZUHÖREN, SPRECHEN und HANDELN!

Wer bestimmt, was lustig ist… Das Theater Strahl Berlin hat mit seinem zweiten und neuen Theaterstück „Spaaaß!” vorab im Rahmen von vier Theaterwerkstätten mit über 60 Jugendlichen versucht, dies herauszufinden. Interaktiv mit den Mitteln des Improvisations- und Forumstheaters wird das junge Publikum eingeladen, im Austausch mit den Schauspieler_innen nach alternativen Lösungen zu suchen, die gruppendynamische Prozesse anders verlaufen lassen.

Die Mobbingberatung Berlin-Brandenburg begleitet Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern bei Mobbingvorfällen über Klassenentwicklungsmaßnahmen. Das Medium des Improvisiationstheaters wie das Theater Strahl Berlin es handhabt, ist eines, das sich ausgesprochen gut für die Bearbeitung der Thematik einsetzen lässt.

Eine zukünftige Vision ist, dass Politikverantwortliche und die breite Öffentlichkeit erkennen, welch gesellschafts-politischer Beitrag auf der Ebene der Anti-Mobbingarbeit geleistet wird und diese Arbeit aktiv unterstützen – so wie die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin dies im Fall des Theaterstücks tut! Letztlich geht es immer um die reflektierte Haltung zum Thema von Politikern, Chefs, Lehrenden, Eltern - Erwachsenen überhaupt und deren Verantwortung in Konflikt- und Mobbingsituationen. Bei deren klarem NEIN zu Mobbing, auch mit Blick auf ihr eigenes Verhalten, wissen Schüler_innen dann genau wo der Spaß endet.

Monika Hirsch-Sprätz
- Leitung -
Mobbingberatung Berlin-Brandenburg
Berlin, im Mai 2010